Christinnen und Christen bei Bündnis 90 /
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Aktuelles

Jubiläumstagung der BAG ChristInnen am 13./14. März 2009

Vor fast genau 25 Jahren, am Rande einer Bundes­haupt­aus­schuss-Sitzung in Bielefeld, am 15. 04. 84, wurde unsere BAG unter maß­geb­licher Beteiligung von Hermann Benz offiziell gegründet. Dies war Anlass für uns, unsere Tagung etwas an­ders zu gestalten als gewohnt. Wir haben bereits am Freitag Nachmittag, 13. 03.2009, mit einer Jubiläumsveranstaltung im Kaisersaal des Klosters St. Ludgerus in Helmstett begonnen, und die BAG-Frühjahrstagung auf den Samstag konzentriert.
Als Gründungsmitglied konnte lediglich Dr. Gisela v. Canal/Ulm anwesend sein, ehemals Vorstandssprecherin der Baden-Württemberger Grünen und noch heute in unserer BAG aktiv. Sie berichtete uns eindrucksvoll über die Hintergründe und Zusammenhänge der Gründung unserer Gruppe – übrigens ei­ne der ältesten Bundes­ar­beit­sgemeinschaften der Partei. Die eigentliche Jubi­lä­ums­­feier fand im spätbarocken Kaisersaal der ehema­­li­gen Benediktinerabtei St. Ludgeri statt. Musi­kalisch um­rahmt vom "Duo Zweiklang" und nach einer Begrüßungs­rede unserer Sprecherin Sybille Matt­feldt-Kloth, wurde die Bedeutung unserer BAG in – teilweise sehr ausführ­lichen – Gruß­worten unserer Europa­ab­geord­neten Gisela Kallenbach (die selbst die BAG über lan­ge Zeit hinweg begleitet hat), des Braunschweiger Landes­bischofs Friedrich Weber und unserer Bundes­vor­sitzen­den Claudia Roth hervorgehoben. Insbeson­dere ihre Rede, die sich mit der Arbeit und dem Selbstver­ständnis der BAG beschäftigte, fand große Resonanz im Publi­kum. Es war dies die eigentliche Festrede des Abends, da der Rede­beitrag von Firouz Vladi – dem Vorsitzenden des Landes­verbands muslimi­scher Gemein­den in Nieder­sachsen - zum Interreligiösen Dialog eher problem­orien­tiert war und auch nicht auf ungeteilte Zustim­mung stieß. Ein reich­hal­tiger Imbiss und ein Glas Wein im Gewölbe­keller des Klosters schlossen die Jubiläums­feier ab.

In der auf den folgenden Samstag, 14. März, beschränk­ten Frühjahrstagung – eben­falls in St. Ludgeri veran­stal­tet – standen neben der Vorberei­tung von Anträgen zum kurz vorher veröffentlichten Entwurf des Bundestags­wahl­pro­gramms – zwei wichtige Schwerpunkt­themen auf dem Programm. Es ging einerseits um das von Uwe Gerber überarbeitete und im Kern bereits Thesenpapier ("Orien­tie­rungs­papier") zum Thema "Welchen Religions­unter­richt (RU) und entspre­chen­den isla­mi­schen Reli­gi­ons­un­ter­richt (IRU) möchten wir?", das wir bereits auf unserer letzt­jährigen Herbst­ta­gung in Katlenburg andis­kutiert hatten. Zusätzliche politische Brisanz erhielt unsere Dis­kussion durch die "Pro Reli"-Initiative in Berlin, "Berlins Kulturkampf", wie er in der taz von Jörg Sunder­meier bezeichnet wurde (taz, 10. 01. 09). Auch wenn der Reli­gi­ons­unter­richt zu den Kultur­ange­le­gen­hei­ten der Län­der zählt (und damit in den je­weils zustän­digen Lan­­des­arbeits­ge­mein­schaf­ten diskutiert werden sollte), erschien es uns im Rahmen der Auswirkungen des Art. 7. Abs. 3 Grundgesetz notwendig, eine übergreifende Diskussion anzustoßen, vor allem im Hinblick auf die Frage da­nach, inwieweit der rein konfessionelle und bekennt­nis­orien­tier­te RU überhaupt noch zeit­gemäß ist. Dass wir für einen ökumenischen RU eintreten, wurde inzwischen auch von der Presse wahrgenommen. In einer Pressemeldung der epd vom 22. März 2009 hieß es: GRÜNE für öku­me­ni­schen Reli­gi­ons­un­ter­richt. Die GRÜNEN wollen einen gemeinsamen Reli­gi­ons­un­ter­richt von Protestanten und Katholiken. Die Aufteilung in evange­­li­sche und katho­li­sche Christen in der Schule sei nicht mehr zeitgemäß, sagte die Sprecherin der Bun­­des­ar­beits­ge­mein­schaft Christen bei den Grünen, Sybille Matt­feldt-Kloth. Sie sprach sich auf für isla­­mi­­schen Reli­gi­ons­un­ter­richt an deutschen Schulen aus. Das redak­tionell und im Layout noch zu überarbeitende "Orien­­tie­­rungs­pa­pier" soll nach Fer­tig­stel­lung zunächst über unsere Web­site und, sobald die dafür erfor­der­­li­­chen Mit­tel bereit stehen, in Form einer Broschüre in unserer Publikations­reihe veröf­­fent­­licht werden. Politisch hatten wir ja schon durch ei­nen An­trag zur BDK in Erfurt zur Ein­füh­rung eines "RU für alle" ein Zei­chen ge­setzt, mit dem unsere Bundestags­fraktion weiter beschäf­tigt sein wird.

Der zweite Schwerpunkt der Tagung war dem Thema "Auf dem Weg in eine Gesell­schaft des Weniger" ("Bescheidenheitsdebatte") gewidmet. Nach einem Einlei­tungs­referat von Gisela Kallenbach entwickelte sich eine intensive Debatte darüber, ob die weitere Ankurbelung des Wirtschaftswachstums (z.B. durch die verfehlte "Ab­wrackprämie") überhaupt Sinn macht, und ob man nicht eher durch eine Ein­schrän­kung von Verbrauch und ein Zurückschrauben der Bedürfnisse auf ein ver­nünf­tiges Maß zu einer zukunfts­fä­hi­geren und gerech­teren Ordnung des wirtschaft­lichen und gesell­schaft­li­chen Lebens kommen kann. Dies um so mehr, als das ei­gent­lich urgrüne Thema der "Verzichts­ethik" innerhalb der Partei vor dem Hinter­grund der Wirt­schafts­krise etwas in Vergessen­heit zu geraten droht. Ulrike Winkel­mann hatte deshalb in ihrem Kom­men­tar zur Situation der GRÜNEN (taz, 22. 01. 09) mit Recht bemerkt, dass "die Wirt­­schafts­krise immerhin die grüne Chance bietet, Konsum überhaupt wieder ein­mal infrage zu stellen". Noch deutlicher wurde der zur Zeit wichtigste deutsche Philosoph, Peter Sloterdijk, der in einem Inter­view kurz darauf erklärte (FASZ, 22. 03. 09): "Dass zum Beispiel der Staat auf dem Gipfel seiner Hilflosigkeit darüber nachdenkt, seinen Bürgern Geld zu schenken, damit sie einkaufen gehen können, [ist unglaublich]; wir müssen offensichtlich dazu ermuntert werden, das einmal erreichte Verschwendungsniveau um jeden Preis zu halten". Die Diskussion mündete schließlich in einem Antrag, der auf der BDK zur Übernahme in das Bundestagswahlprogramm gestellt werden soll.

 

 

 


   
 
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